Engagement von Frauen – Politische Stimme und Kofferkinder
Engagement von Frauen – Politische Stimme und Kofferkinder
Den Auftakt der politischen Bildungsreihe bildet ein Abend, der die Rolle von Frauen in der deutsch-türkischen Migrationsgeschichte in den Mittelpunkt stellt. Dabei wird deutlich: Frauen haben diese Geschichte nicht nur begleitet, sondern entscheidend geprägt – oft unter Bedingungen, die von Unsichtbarkeit, Trennung und strukturellen Herausforderungen bestimmt waren.
Im Zentrum steht das Thema der sogenannten „Kofferkinder“ – Kinder, die in der Türkei aufwuchsen, während ihre Eltern in Deutschland arbeiteten. Diese Form der transnationalen Kindheit ist ein prägendes, aber lange wenig beachtetes Kapitel der Migrationsgeschichte. Sie steht für Erfahrungen von Trennung, Rückkehr und dem Aufwachsen zwischen zwei Ländern, zwei Sprachen und unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen.
Ausgehend von dieser Perspektive werden grundlegende Fragen aufgeworfen:
Wie wirken sich frühe Trennungserfahrungen auf Identität und Zugehörigkeit aus?
Welche Rolle spielen Frauen in diesen familiären Konstellationen?
Und wie werden diese Erfahrungen heute erinnert und erzählt?
Die Veranstaltung verbindet dabei unterschiedliche Zugänge: literarische Reflexion, persönliche Erzählungen und musikalische Elemente. Diese Kombination eröffnet einen vielschichtigen Blick auf Migration als gelebte Erfahrung und macht sichtbar, wie eng individuelle Biografien mit gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft sind.
Ein besonderer Fokus liegt auf weiblichen Migrationserfahrungen. Frauen waren nicht nur Teil der Arbeitsmigration, sondern übernahmen häufig zentrale Rollen innerhalb der Familien – als Vermittlerinnen zwischen den Kulturen, als Trägerinnen von Erinnerung und als aktive Gestalterinnen von Lebensrealitäten zwischen Herkunft und Ankunft.
Dabei wird deutlich, dass Migration immer auch eine Frage von Geschlechterverhältnissen ist. Themen wie Care-Arbeit, emotionale Verantwortung, soziale Erwartungen und eingeschränkte Teilhabechancen werden ebenso sichtbar wie Strategien der Selbstermächtigung und des Engagements.
Die Veranstaltung greift zudem Perspektiven aus dem Projekt „60! Leben“ auf, in dem zahlreiche Lebensgeschichten der ersten Generation dokumentiert wurden. Diese zeigen eindrücklich, wie vielfältig weibliche Erfahrungen in der Migration sind – und wie stark sie die Entwicklung von Familien und Gemeinschaften geprägt haben. Die Interviews sind unter www.60leben.de zugänglich und bilden einen wichtigen Hintergrund für die Auseinandersetzung mit diesen Themen.
Im gemeinsamen Austausch werden zentrale Aspekte vertieft:
• weibliche Migrationserfahrungen
• transnationale Kindheiten
• Identität zwischen Herkunft und Ankunft
• politische Teilhabe von Frauen
Der Abend versteht sich als Raum für Dialog und Reflexion. Persönliche Geschichten werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge. Dabei wird sichtbar, dass Fragen von Zugehörigkeit, Identität und Teilhabe eng miteinander verbunden sind.
Als Auftakt der Reihe setzt die Veranstaltung einen wichtigen Akzent: Sie rückt Perspektiven in den Vordergrund, die in öffentlichen Debatten oft zu wenig Beachtung finden, und eröffnet einen Zugang zur Migrationsgeschichte, der emotional, politisch und gesellschaftlich zugleich ist.
Ein Abend zwischen Literatur, Biografie und politischer Reflexion – und ein Einstieg in zentrale Themen, die die Reihe im weiteren Verlauf vertiefen wird.
In Kooperation mit Töder e.V. und dem Interkulturellen Familienverbund e.V.
Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg
Venue Info
Alfred Schnittke Akademie International, Max-Brauer-Allee, Altona, Deutschland
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