65 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen
Â
Erinnerung, Identität und Zukunft – Migration als Teil gesellschaftlicher Realität
Die politische Bildungsreihe „Von Gastarbeit zu Gegenwart – 65 Jahre deutsch-türkische Realität“ widmet sich im Oktober einem zentralen Thema: der Verbindung von Erinnerung und Gegenwart in einer postmigrantischen Gesellschaft.
Ausgehend von der Geschichte der Arbeitsmigration wird der Blick auf die Gegenwart gerichtet – auf eine Gesellschaft, in der Migration längst Teil des Alltags, der Kultur und der politischen Realität ist. Die Erfahrungen der ersten Generation wirken bis heute nach, zugleich haben sich neue Perspektiven, Identitäten und Formen der Teilhabe entwickelt.
Ein wichtiger Bezugspunkt bildet dabei das Projekt „60! Leben“, das die Interkulturelle Denkfabrik e.V. vor rund fünf Jahren realisiert hat. In über 60 videografierten Interviews wurden Lebensgeschichten von Menschen dokumentiert, die die deutsch-türkische Migrationsgeschichte über Jahrzehnte hinweg geprägt haben. Diese persönlichen Erzählungen – abrufbar unter www.60leben.de – machen sichtbar, wie individuelle Erfahrungen mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden sind.
An diese Perspektiven knüpft die Veranstaltung an und führt sie weiter:
Wie wirken diese Erinnerungen heute nach?
Welche Bedeutung haben sie für jüngere Generationen?
Und wie verändern sich Narrative über Migration im Laufe der Zeit?
Im Mittelpunkt stehen Fragen, die sowohl persönlich als auch politisch sind:
Wie prägen Erinnerungen an Migration unsere heutigen gesellschaftlichen Debatten?
Welche Rolle spielen Familiengeschichten für das Verständnis von Zugehörigkeit?
Wie verändern sich Identitäten über Generationen hinweg?
Und welche Bedeutung hat dies für demokratische Prozesse und gesellschaftlichen Zusammenhalt?
Die Veranstaltung verbindet unterschiedliche Perspektiven miteinander: biografische Erfahrungen, literarische Zugänge und politische Analyse. Dabei geht es nicht nur um Rückblick, sondern auch um die Frage, wie Erinnerung aktiv gestaltet wird – und welche Rolle sie für die Zukunft spielt.
Migration wird nicht als abgeschlossenes Kapitel verstanden, sondern als fortlaufender Prozess. Themen wie Mehrfachzugehörigkeit, Sprache, Herkunft und Ankunft werden in ihrem Spannungsfeld sichtbar gemacht. Gleichzeitig wird deutlich, dass gesellschaftliche Teilhabe, Gleichberechtigung und Repräsentation zentrale Herausforderungen bleiben.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung von individuellen Geschichten und strukturellen Entwicklungen. Persönliche Erfahrungen werden als Ausgangspunkt genutzt, um Fragen von Bildung, Arbeitswelt, kultureller Produktion und politischer Beteiligung zu reflektieren.
Die Veranstaltung schafft Raum für Austausch und Diskussion. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und einen offenen Dialog zu ermöglichen, in dem komplexe gesellschaftliche Themen differenziert betrachtet werden können.
Damit führt der Termin zentrale Themen der Reihe zusammen: Migration als Familiengeschichte, Identität zwischen Deutschland und der Türkei, Sprache als Ausdruck von Erfahrung sowie Erinnerung als Grundlage gesellschaftlicher Reflexion.
Die Reihe versteht sich als Beitrag zur politischen Bildung in einer vielfältigen Gesellschaft. Sie lädt dazu ein, Migration nicht nur historisch zu betrachten, sondern als lebendigen Bestandteil demokratischer Gegenwart und zukünftiger Entwicklung zu verstehen.
Venue Info
Rathaus Altona, Platz der Republik, Altona, Deutschland
View on Map